dieses Kommando ist noch eine Steigerung des vorherigen Kommandos. Zum
Keuchen und heftigen Atmen muss der Musher dazu noch ein wutentbranntes,
hochrotes Gesicht haben.
Diese Übung beugt auch der
Ausrede vor, die Hunde wären falsch gelaufen. In der Regel werden die
Kommandos nicht präzise, nicht richtig oder einfach zu früh gegeben.
Sie können da ganz und gar meiner langjährigen Erfahrung als Leithund
vertrauen. Es gibt kaum einen Musher der die Kommandos richtig geben kann.
Es wird immer wieder behauptet wir (die Schlittenhunde) sind falsch
gelaufen. Dabei verwechseln immer wieder die Musher links und rechts und
STOP und GO. Das Beherrschen der Kommandos kann mit folgenden Fragen
abgeprüft werden:
- Die Hunde sind rechts abgebogen,
welches Kommando muss hinterher gegeben werden, damit die Hunde nicht
falsch gelaufen sind? Antwort: GEE.
- Die Hunde sind stehen geblieben,
welches Kommando muss nun hinterher gegeben werden, damit sich der Musher
richtig verhält? Antwort: STOP.
- Die Hunde laufen und der Musher ist vom
Trainingswagen abgestiegen, weil er sich nicht richtig festgehalten hat.
Dies ist eine Fangfrage ! Nun sollte der Musher gar kein Kommando
geben, denn er braucht die Luft zum Rennen. Dies begreift zum Beispiel
kaum ein Musher. Bei diesen Gelegenheiten wird gebrüllt und geschrieen was
die Lunge hergibt. Ein völlig falsches Verhalten. Und nun das Tollste! Er
hat Mist gebaut und wir sind Schuld! Treiben Sie ihm diese Denkweise mit
allen Mitteln aus.
- usw.
Wenn diese Übung abgeschlossen ist, wird
dem Musher beigebracht, wo hinten und vorne ist. Diese Übung hilft bei
späteren Gefahrensituationen die Übersicht zu behalten. Die meisten Musher
laufen bei jeder Gelegenheit planlos um den Trainingswagen herum und wissen
nichts mehr. Des Weiteren wird der sehr häufigen Frage vorgebeugt: “Wo
kommen die Hunde hin und wo muß ich aufsteigen ?”. Denn bei dieser Übung
wird ihm auch beigebracht, daß die Hunde vorn eingespannt werden und er
hinten aufsteigen muß. Achten Sie darauf, dass er versteht: vorne
läuft der Intelligenteste! Hinten ist der Größte und ..., na ja, Sie
wissen schon. Auf Rennen kann man sehr häufig beobachten, dass die Musher
hinterher laufen. Entweder haben die sich das vorher beschriebene Prinzip zu
sehr zu Herzen genommen und laufen deswegen ganz weit hinten oder bei diesen
Mushern wurde diese Übung zu oberflächlich behandelt. Sie müssen versuchen
einen guten Mittelweg zu finden. Bei Bedarf können die Trittbretter und die
Handgriffe auch farblich markiert werden. Dies erleichtert die Handhabung
sehr. Das Verständnis für die genaue Handhabung (die Hunde ziehen während
der Musher sich auf dem Trainingswagen befindet) fehlt leider bei den
meisten Mushern. Und so kommt es leider immer wieder vor, dass dieses
hochtechnisierte Trainingsgerät falsch verwendet wird.
Nun wird es schwierig! Der Musher muss
lernen das Kommando “GO” zu geben und dabei gleichzeitig die Bremse
zu lösen. Diese Übung bringt in der Regel die meisten Probleme für den
Musher. Die Koordination von zwei Dingen fällt Ihnen sehr schwer. Für diese
Übung muß deshalb sehr viel Zeit angesetzt werden. Sie ist aber unbedingt
erforderlich. Wenn diese Verfahrensweise nicht richtig beherrscht wird,
verlieren die Hunde sehr schnell das Interesse am Training und verweigern
(berechtigterweise) die Arbeit.
Als nächstes wird der Begriff
“Schwerkraft” im Zusammenhang mit “herunter-fallen” an
praktischen Beispielen erläutert. Dazu wird der Musher mehrmals vom Tisch
oder einem Stuhl geworfen. Sollten Sie allerdings in einem der oberen
Stockwerke wohnen, werfen Sie ihn einfach mehrmals aus dem Fenster. Dieses
Verfahren schont die Möbel und den Teppichboden. Die Erfahrungen haben
gezeigt, daß dies die wirksamste Methode der Ausbildung ist. Diese
Erklärungen vermindern die laufenden Kosten am Musher (Salben, Binden,
Fahrtkosten zu Krankenhäusern, etc.). Sie ist nicht unbedingt erforderlich
aber sehr nützlich und Kosten sparend.
Die theoretischen Anweisungen für die
weiteren Tätigkeiten entnehmen Sie bitte den Gebrauchsanweisungen der
entsprechenden Geräte. Dazu gehört das Auslegen und Einklinken der Zugleine,
das Anlegen der Zuggeschirre, richtiges Einspannen der Hunde und ähnliches.
Diese Anweisungen würden den Rahmen dieser Anleitung sprengen.
Praktische Ausbildung
Nun ist der theoretische Teil
abgeschlossen (ja, es sind schon wieder zwei Jahre vergangen) und es
beginnen die praktischen Übungen. Die erste praktische Übung besteht aus dem
richtigen auf- und abladen des Trainingswagens. Diese Übung sollte
mindestens 50-mal durchgeführt werden. Dann folgt das korrekte Reifenflicken
und -aufpumpen. Auch diese Übung sollte für jedes Rad 50-mal
durchgeführt werden. Dabei sind die aus dem theoretischen Teil stammenden
Fachbegriffe rechts, links, hinten und vorne zu wiederholen und zu
vertiefen. Widersprüche und Gemecker bekommen Sie am besten mit einer
Peitsche oder einem langen Stock in den Griff.
Bei Bedarf kann der Musher
nun auf dem Trainingswagen stehend 60 bis 70 mal kräftig gegen eine Mauer
geschoben werden. Diese Übung vertieft die Erläuterungen zur “Schwerkraft
im Zusammenhang mit herunterfallen”. Ein steil abfallender Berg an
dessen Ende ein Baum, Haus oder etwas ähnliches steht, verringern Ihre
Anstrengungen erheblich. Es lohnt sich nach den entsprechenden
geographischen Gegebenheiten zu suchen.
Um den Gleichgewichtssinn zu testen und zu
verbessern, wird der Trainingswagen nun an einen Pkw angehängt. Der Musher
muß bei abrupten Richtungsänderungen bei Tempo 180 Km/h auf dem
Trainingswagen stehen bleiben und darf das Gleichgewicht nicht verlieren. Am
Anfang dieser Übung empfiehlt es sich den Musher auf dem Trainingswagen fest
zu binden. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die meisten Musher bei dieser
leichten Übung schon Angstzustände bekommen. Was völlig unverständlich ist.
Von vorherigen Erklärungen ist deshalb abzusehen. Mit Sekundenkleber auf den
Fußrasten und Handgriffen kann die Übung aber zu jeder Zeit durchgeführt
werden. Achten Sie nur darauf, daß der Musher keine Handschuhe trägt. Es ist
schon Mushern gelungen aus den erwähnten Handschuhen heraus zu schlüpfen,
sie haben sich dann einfach die Schuhe ausgezogen und waren nie mehr
gesehen. Dies stört den Ablauf der Ausbildung doch erheblich. Durch das
ständige wieder einfangen wird doch eine Menge Zeit vergeudet.
Ist der Musher nach dieser Übung aus dem
Krankenhaus entlassen, darf er nun ganz allein die Zugleine einhängen.
Zweckmäßigerweise ist mit dieser Übung zu warten bis alle Gipsverbände
(besonders von Armen und Händen) entfernt sind. Diese Übung ist bis zum
fehlerfreien Einklinken (an der richtigen Stelle) zu wiederholen. Aus der
Erfahrung heraus muss sie mindestens 100-mal durchgeführt werden.
Ebenso oft muss das Einhängen des
Zugleinenkarabiners in das Zuggeschirr geübt werden. So mancher brave
Schlittenhund hat bei dieser Tätigkeit schon ein Ohr, den Schwanz oder gar
wichtigere Körperteile (vor allem Rüden sind gefährdet) verloren, weil der
Karabiner an der falschen Stelle angebracht worden ist. Und das tut weh!
Dies können Sie mir glauben.
Das Anlegen der Zuggeschirre
ist keine Tätigkeit für den Musher und sollte grundsätzlich von
anderen Personen gemacht werden. Es ist einfach zu kompliziert!! Diese
Ergebnisse wurden durch Langzeitversuche bestätigt. Selbst nach jahrelanger
Unterweisung waren die Musher nicht in der Lage diese Tätigkeit auszuführen.
Ich wünsche Ihnen nun viel Spaß und Erfolg
bei der Ausbildung. Ich möchte die von Ihnen gemachten Erfahrungen gern an
andere weitergeben. Aus diesem Grund bitte ich Sie, mir doch alle
Ausbildungsteile und die dabei gemachten Erfahrungen schriftlich
mitzuteilen. Meine Adresse entnehmen Sie bitte dem Briefkopf.
Meine Professorenkollegen und alle
Schlittenhunde danken Ihnen im voraus für Ihre Bemühungen. Ich hoffe, ich
konnte Ihnen mit meinen Ausführungen weiterhelfen. Eines möchte ich noch
erwähnen. Es ist selbstverständlich, daß der Musher während der gesamten
Ausbildung auf dem Trainingswagen zu schlafen hat. Sie kennen ja den
Ausspruch “Die Braut des Mushers ist der Trainingswagen”. So können
Sie es ihm verständlich machen. Diese Übung hat natürlich nur den Zweck,
dass Sie ihn wenigstens während der Ausbildung los sind. Sie sollen
schließlich auch etwas davon haben.
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Husky Inuk