Report:
Grönlands traurige Schlittenhunde
In Grönland leben an die 21 000 Schlittenhunde unter katastrophalen
Umständen.
Eine Mitarbeiterin des Österreichischen Tierschutzvereins machte sich alleine
auf nach Ostgrönland, um das Leid der Hunde zu dokumentieren.
Bericht:
Am 17.8. ging es von Wien nach Kopenhagen und weiter nach Kevlavik/Island, von
dort mit dem Bus nach Reykjavik, Übernachtung im Guest House. Am nächsten Tag
vom Flughafen Reykjavik nach Kulusuk/’Grönland, Landung auf Schotterpiste,
Flughafen winzig, ein Haus mit einem Schalter, ein Souvenirladen mit
Inuitmädchen, die verkauften, weiter mit dem Helikopter nach Tassilaq in
Ostgrönland.
Ankunft in Tassilaq, buntes Städtchen, Holzhäuser, rot, gelb, grün, blau,
rosa, Eisberge schwimmen herum.
Am Abend Kontrolle der ersten Hunde. Unterwegs mit Tierärztin, die für die
Regierung arbeitet.
Einsame Hunde an Ketten, Hunde ohne Wasser, drei skelettierte Hunde mit
zusammengebunden Beinen, den Strick, der als Halsband fungierte, noch um den
Hals, so ging es weiter...

Am nächsten Tag bei strahlendem Sonnenschein Kontrolle von etwa 150 Hunden,
non stop, alles in Grönland ist sehr steil, mit vollem Equipement, Handycam,
Spiegelreflexkamera und große Schulterkamera.
Furchtbares gesehen, lässt sich kaum in Worte fassen, mehr als 90 % der Hunde
ohne Wasser, viele waren vor Durst völlig verzweifelt, ab und zu die
Eingeweide eines Seehundes dazwischen, Welpen ohne Haus (obwohl gesetzlich
vorgeschrieben), lagen am Boden, auch wenn es regnete, wie an den beiden
nächsten Tagen. Oft konnten die Mütter nicht zu den Welpen, weil die Ketten
schon so verwickelt waren, dass sich die Hunde nicht einmal einen halben Meter
bewegen konnten. Wir versuchten mit alten Flaschen, die wir aufschnitten, den
Hunden Wasser zu geben, sie tranken so gierig, sicherlich war es das erste
Wasser seit Tagen. Wir versuchten auch die Ketten zu entwickeln, was gar nicht
so einfach war.

Die nächsten Tage Regen, filmen bei Regen, was noch alles trister aussehen
ließ, die Hunde saßen im Dreck, völlig durchnässt, ohne Futter, wenigstens
sammelte sich ab und an etwas Wasser in einer Pfütze...
Am Abend wieder Hunde kontrolliert, ein Hund war völlig fertig, die Tierärztin
verlangte vom Besitzer (der Richter der Stadt!), dass er den Hund entweder
gesund pflegt, was leicht möglich wäre, man hätte ihn nur ins Haus holen
müssen und füttern, oder ihn töten zu lassen. Der Besitzer weigerte sich den
Dogshooter, der in jedem Ort vorhanden ist, noch am Abend holen zu lassen, der
Hund lag völlig krank mit Lungenentzündung im Regen. Wir gingen in der Nacht
heimlich hin und die Tierärztin schläferte ihn ein, er starb in meinen Armen.
Dann packten wir ihn in einen Sack und fuhren im Taxi (das gibt es dort!) zum
Hotel, der Taxifahrer wusste natürlich nicht, was er transportierte, dann
versteckten wir den Hund beim Hotel, am nächsten Tag obduzierte ihn die
Tierärztin, er hatte statt an die 45 kg nur 21 kg, im Darm war nur Erde, er
hatte Lungenentzündung, ich habe noch nie so einen dünnen Hund gesehen, nach
Abziehen des Fells sah man nur die reinen Knochen. Sie verbat mir zu filmen,
was ich aber Dank kleiner Handycam heimlich doch tat...
Das Ganze geschah in einer Art Bauhof, dort steht auch eine Waschmaschine für
Robbenfelle, sobald das Fell vom Fleisch befreit worden ist (die
Entfleischungsmaschine ist made in Germany), kommen die Felle in diese riesige
Waschmaschine.
Dann endlich Aufbruch mit dem Boot in die Dörfer, ein winziges Boot (vier
Mann), zum Glück mit Kabine, bei hohem Seegang (man knallte wegen der Wellen
mit dem Kopf an die Decke, wenn man sich nicht festhielt), ging es an
Eisbergen und bizarrer Landschaft vorbei, die Eisberge strahlten weiß oder
türkisblau, groß wie mehrstöckige Häuser.
Ankunft im Dorf, die Kinder umringten mich nach anfänglichem Zögern, zogen an
meinen Haaren, untersuchten alle Öffnungen der Kamera. Dann ging es an die
Kontrolle, etwa 150 Hunde, wieder bergauf, bergab, über Felsen und Geröll, mit
von der Partie der lokale Dogshooter mit dem geschulterten Gewehr.
Die Hunde wieder ohne Wasser, ohne Hütten, verwickelt, abgemagert. Sie sitzen
auf Felsen, in Müllhalden, zwischen Glasscherben, Dreck und Coladosen. Sie
blicken uns verzweifelt an, wollen gestreichelt werden (was ich auch tue und
was mich total stresst, filmen, streicheln, schauen, wo die anderen sind).
Weiterfahrt mit dem Boot ins nächste Dorf, wieder an die 150 Hunde.
Mutterhündinnen versuchen mit letzter Kraft für ihre Welpen ein Nest aus
Grasbüscheln zu bauen, Hunde winseln und schreien verzweifelt um Hilfe, wenn
sie uns sehen.
Ein Hund soll erschossen werden, die Tierärztin zerrt mich weg, ich darf nicht
filmen, ich versuche es aus einiger Entfernung, sie reißt an meiner Kamera,
ich schimpfe und schreie, keine Chance. Dann ist Funkstille zwischen uns,
dieser Vorfall ließ sie ihr Vertrauen ihn mich verlieren, meinte sie, sie nahm
mich am nächsten Tag nicht mehr mit in die Dörfer, denn sie hatte Angst um
ihren Job und sie wusste nicht, dass ich ein „animal rights activist“
sei...Blödsinn, ich habe ihr unter Tierschutzverein geschrieben.
Trauer und Wut meinerseits, ich wollte alle Hunde sehen!
Ich bin psychisch am Ende,
lasse mir aber nichts anmerken, die Tränen schlucke ich hinunter und filme,
filme, streichle, rede den Hunden zu, dass sich irgendwann, wenn denn im
nächsten Leben, alles ändert.
Am nächsten Tag macht sich die Tierärztin allein auf den Weg per Boot, ich
bleibe zurück und bin stinksauer. Dann die Idee: Ich suche die Müllhalde mit
dem obduzierten Hund und werden ihn fotografieren! Gedacht, getan: Erstmals
die Müllhalde suchen, endlich gefunden, tausende schwarze Müllsäcke, genau
solche, worin auch der Hund entsorgt worden ist.
Ich klettere über die Müllberge, ein alter Mann sucht nach Verwertbarem.
Endlich, welch Zufall! Ich finde das Fell des Hundes in einer Schachtel, der
Körper kann nicht weit sein!
Ist er auch nicht, ich hole den Hund aus dem Sack, das Blut fließt ihm aus den
Augen...schnell Fotos, Fotos! Gerade als ich zu filmen beginnen wollte, kommt
die Müllabfuhr, lächeln, plaudern (manche können Englisch), ich warte bis sie
weg sind, plötzlich kommt die Polizei, keine Chance zu filmen, ich beschließe
am Abend wieder zu kommen, vermummt mit Haube und Schal. Leider gelingt mir
das nicht, ich bin in Sorge, ob jemand etwas mitbekommen hat, was tun, wenn
die Tierärztin mit der Polizei kommt (sie sagt das Ganze ist Polizeisache) und
mir mein Filmmaterial konfisziert? Angst macht sich breit, ich präpariere
leere Bänder und Filme, indem ich sie beschrifte, sollen sie diese doch
bekommen. Das echte Material trage ich in die Berge und verstecke es. Die
Tierärztin kommt zurück am Abend, wir tun beide als sei nichts geschehen, ich
mache aus Sorge um das Material gute Miene zum bösen Spiel. Wo sollte ich auch
hin? Dort kann man nicht flüchten, der einzige Weg ist der Helikopter, die
Strassen enden am Rande der Stadt...

9 Hunde wurden an diesem
Tag erschossen.
In der Nacht beginnt es zu regnen, ich eile in die Berge und hole das
Material, da ich am nächsten Tag abfliege. Dann banges Warten, bis ich das
Material endlich außer Landes gebracht habe, ich lasse es nicht mehr aus den
Augen (in Amsterdam geht noch mein Koffer verloren, das merkte ich erst bei
der Rückkunft in Schwechat, Gott sei Dank war das Material bei mir!!!).
Zusammenfassung:
Mehr als 500 Hunde kontrolliert, mehr als 90% ohne Wasser, obwohl dies oft an
den Nasen der Hunde vorbeifließt, Inuit sind zu faul, Alkoholiker, scheren
sich nicht um die Hunde, Wasser wäre leicht überall verfügbar. Einige hinken,
haben kranke Augen, niemand kümmert sich, einer hat ein gebrochenes
Vorderbein.
Hunde werden alle 3-4 Tage gefüttert, manche 1x in der Woche, Futter nur
Eingeweide von Robben, manchmal Fisch, meist alles verwest, liegt in Haufen
herum.
Ketten zu kurz, oft total verwickelt, Hunde hängen aneinander und können sich
nicht bewegen.
Welpen auf blanker Erde, die Ketten der Hunde streifen ständig über sie, sie
schreien vor Schmerzen.
Die Tierärztin erzählt, den Hunden werden die Zähne eingeschlagen, damit sie
sich nicht losbeißen.
Viele werden auf Inseln während des Sommers ausgesetzt, diejenigen, die
überleben, werden vor Wintereinbruch wieder geholt.
Viele verhungern angebunden.
Welpen müssen viel zu jung schon den Schlitten ziehen.
Überall Müll, Hunde dazwischen. Wir versuchen zu helfen, schneiden auch manche
Hunde von den Halsbändern, weil sie sich nicht mehr bewegen können.
Tierärztin schreibt Report für Polizei, diese sollten (wenn sie Lust haben)
die Besitzer strafen, es kann bei mehrmaligem Vergehen sogar zu einem
Hundehalteverbot kommen.
Tierärztin kontrolliert den gleichen Bereich nur alle drei Jahre (sinnlos).
Hunde werden meist nach 2 Jahren erschossen, freilaufende Hunde werden sofort
erschossen.
Zahl der Hunde rückgängig, Klimawandel lässt Eis im Winter zu dünn werden,
Inuit jagen meist schon mit dem Boot. Der letzte Sommer kostete aufgrund der
Trockenheit vielen Hunden das leben, weil sie einfach verdursteten.
Hoffen auf Tourismus und Schlittenhundefahrten – hier Chance für die Hunde!
Was kann man tun?
1.Tourismus:
Aufklärung für Touristen, was muss ein Hund haben, wie muss er aussehen, dass
er halbwegs gesund ist, wenn nicht - beschweren, bei Reisebüro fordern! Hunde
sehen wegen ihres Fells auf den ersten Blick nicht so schlecht aus, man sieht
nicht sofort, wie sie leiden und dass sie kein Wasser haben.
2.Schulfilm für Grönland:
Mit Behörden abklären, Tierärztin will Gespräche führen und mein Material
herzeigen, nur bei Kindern Chance, alte Inuit lassen sich nichts sagen.
3.Positivkampagne mit grönländischen Musikern (davon gibt es dort einige sehr
gute)
Nur durch Aufzeigen des Leides können wir etwas verändern, der
Österreichische Tierschutzverein wird versuchen mit den grönländischen
Behörden zu verhandeln, ihnen diese „Positivkampagne“ ans Herz zu legen. Es
werden mehr Kontrolltierärzte gebraucht, in ganz Grönland gibt es für den
Sleddog-District nur zwei!
Bitte berichten Sie über diese Problematik, von der niemand etwas weiß!
Material:
Vorhandenes Videomaterial mit Sony DSR 200 AP (Profikamera) auf DVD,
MiniDV oder DVCAM-Kassette
Vorhandenes Bildmaterial mit analoger Nikon F 60, auf CD oder per Mail (anbei
eine kleine Auswahl in geringerer Auflösung)
Vorhandenes Videomaterial mit Canon-Handycam (Notkamera)
Videomaterial wurde bereits vorgeschnitten und in wichtige Sequenzen
vorsortiert (also „verwickelte Ketten“, „Welpen ohne Hütte“, „kein Wasser“
usw.)
Das Videomaterial
bietet reiche Auswahl an Bildmaterial, auch Standbilder für Printmedien
möglich!
Gerne schicken wir Ihnen eine Foto-CD mit großer Bildauswahl in hoher
Auflösung zu!
Gerne schicken wir Ihnen eine Demo-DVD auf Wunsch zu!
Bitte werfen Sie einen Blick auf diese Bilder, niemand weiß um das Leid
dieser Hunde, sie leiden unbemerkt!
Mit freundlichen Grüssen,
Marion Löcker
Österreichischer Tierschutzverein
Kampagnenleitung
Kohlgasse 16
A-1050 Wien
mobil: 0043/664/8468247
E-mail: doku@tele2.at
www.tierschutzverein.at